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RIVA mit reduziertem Einführungsaufwand in Osnabrück produktiv

Aktive Kundenpflege durch verständliche Verbrauchsabrechnungen

OSNABRÜCK. Seit August 1995 wird das Branchenpaket RIVA bei den Stadtwerken Osnabrück produktiv eingesetzt.  Rollierend abgerechnet werden die Sparten Strom, Erdgas und Wasser für alle 105.000 Kunden des Versorgungsgebiets mit 170.000 Zählern.  Damit konnte das Batch-orientierte Altsystem mit ausgeprägter Belegerfassung durch ein modernes Online-System abgelöst werden.

 

Als einer der Initiatoren und Pilotkunden von ARIVA (Realtime Informations- und Verbrauchsabrechnungssystem), mit dem die Reihe der SAP-Branchenpakete gestartet wurde, waren die Stadtwerke Osnabrück AG (SWO) schon seit geraumer Zeit mit von der Partie, wenn es darum ging, spezifische Anforderungen aus der Praxis in die Software einzubringen.  Ihr eigentliches RIVA-Projekt gingen die SWO zusammen mit einem externen Partner an.

Nach Feststellung des Projektstatus im August 1994 durch eine Kurzanalyse der SPE Unternehmensberatung GmbH (Walldorf, die zuvor die Stadtwerke Heidelberg bei deren RIVA-Einführung erfolgreich beraten hatte, wurde zunächst ein gemeinsames Projektteam aus SWO- und SPE-Mitarbeitern gebildet.  Die Projektleitung nahmen die Partner gemeinsam wahr.

In wöchentlichen Teamsitzungen überprüften die Teilnehmer den Projektstatus in den Bereichen Zählerwesen, Ablesung, Abrechnung und Kontokorrent.  Die weitere Vorgehensweise wurde in Form von Aufträgen an das Projektteam vorgegeben, wobei Checklisten zur Kontrolle dienten, ob die einzelnen Arbeitsschritte auch wirklich durchgeführt wurden.Die Gesamtverantwortung oblag dem Lenkungsauschuß, der alle vier bis sechs Wochen tagte und die strategischen Entscheidungen für das Projekt traf.  

Fachbereiche rücken zusammen

Die Einführung gliederte sich in vier aufeinanderfolgende Phasen (Detaillierung, Realisierung, Test und Übernahme).  So wurden beispielsweise in der Detaillierungsphase zunächst die Sollabläufe erarbeitet, bevor in einem nächsten Schritt die Tabellen ausgeprägt wurden (Top-Down-Verfahren).  Während des gesamten Projektverlaufes fand ein intensiver Wissensaustausch zwischen Beratern und den SWO-Projektteammitgliedern statt.  Der Know-how- und Informationstransfer beschränkte sich dabei nicht nur auf den Personenkreis, der unmittelbar mit der Softwareimplementierung zu tun hatte.  Die frühzeitige Einbeziehung aller von RIVA betroffenen Fachbereiche durch eine aktive Projektmitarbeit war einer der Schlüsselfaktoren zur erfolgreichen Einführung.  Dadurch rückten die technischen und kaufmännischen Fachbereiche enger zusammen.  Folglich konnten auch die Integrationspotentiale der Software optimal ausgeschöpft

Als Schlüsselfaktor zur termingerechten Einführung innerhalb von zehn Monaten erwies sich der Zukauf diverser Produkte, deren Nutzwert für die SWO durch den Berater sichergestellt wurde.  Hierbei handelte es sich um Werkzeuge zur RIVA-Altdatenübernahme, zur Endbenutzerschulung, für den Formularsatz inklusive der sogenannten Wiesbadener Rechnung sowie für weitere Auswertungen.  Die zugekaufte Altdatenübernahme beruhte zwar auf einem anderen Ist-System, jedoch konnten das Grobkonzept und große Teile des Programms verwendet werden.

Wegen der rollierenden Ablesung/Abrechnung und um eine Schlußabrechnung für alle Kunden im Altsystem zu vermeiden, wurden alle abrechnungsrelevanten Bewegungsvorgänge (Tarifänderungen, Zählerwechsel, Altabschläge usw.) bis zum Übernahmezeitpunkt in RIVA nachgefahren.  Die wesentlichen Stammdaten ließen sich mit Hilfe von Überleitungs- und Batch-Input-Programmen, weiche die SWO-Mitarbeiter unter großem Einsatz erstellten, in das neue System überführen.

Das Altsystem wurde vom 01.07. bis 21.07.1995 geschlossen, wobei mehr als eine Million Transaktionen durchzuführen waren.  Erstmalig im Rahmen einer RIVA-Übernahme führte ein Team diesen Schritt dynamisch in mehreren Phasen durch (Technik, Vertrieb, Kontokorrent), um den sich aufstauenden Änderungsdienst zu minimieren. Mit der Entscheidung, den Datentransfer im Batch-Input-Verfahren durchzuführen, wurde zudem ein höchstmöglicher Grad an Datenkonsistenz erreicht. Diese hohe Qualität, die sich schon bei den ersten Kontrollen der Fachabteilungen andeutete, ist in hohem Maße auf die kontinuierliche Zusammenarbeit zwischen den Fachabteilungen und dem Projektteam zurückzuführen. 

Aufbauend auf die zugekaufte Endbenutzerschulung konnten die ersten Trainingskurse im Januar 1995 (SAP-Grundlagen, RIVA-Überblick) abgehalten werden. Als Referenten wurden dabei Mitarbeiter der SWO eingesetzt. Auf diese Weise ließ sich eine hohe Akzeptanz in den einzelnen Fachbereichen erreichen, wozu auch die frühzeitige Vorbereitung der Schulungsaktivitäten ihren Teil beigetragen hat. Denn der Aufwand zur Organisation, Gestaltung und Durchführung der Schulungen für 80 Endbenutzer ist nicht zu unterschätzen.

Mittlerweile haben mehr als 60.000 Kunden die neu gestaltete, kundenfreundliche Jahresverbrauchsabrechnung erhalten. Klar gegliedert, übersichtlich und verständlich formuliert erfahren die Kunden auf mehreren DIN-A4-Seiten alle Einzelheiten über ihren Energie- und Wasserverbrauch. Die Reaktionen der Kunden sind durch die Bank erfreulich positiv.

Trotz des erfolgreichen Einsatzes von unterstützenden Produkten erwies sich der Einführungsaufwand für das äußerst funktionsreiche SAP-Produkt als recht hoch. Umso höher ist die Arbeit der in der Endphase bis zu 20 Teammit-
glieder starken Projektgruppe anzurechnen, die vom unbedingten Willen zum Erfolg geprägt war. Für die Kooperation mit der SPE Unternehmensberatung finden die SWO ebenfalls lobende Worte: „Für einen externen Berater mit Vorbildcharakter für das Projektteam heißt es, neben der Vorgabe der methodischen Vorgehensweise in den kritischen Projektphasen Ruhe auszustrahlen, aber auch die Ärmel hochzukrem-
peln. Und genau das war der Fall.“

Zusammen mit der Einführung von RIVA wurde auch die Rechnerkapazität erhöht. Die Installation des Duplex-Laserdrucks und einer neuen Druckaufbereitungssoftware waren ebenfalls notwendig geworden. Beide flankierende Maßnahmen trugen sicherlich entscheidend mit dazu bei, daß Anwender und Kunden gleichermaßen die neue Gesamtlösung beziehungsweise die neuen Abrechnungsformulare akzeptierten.

Durch die Einführung von RIVA ist gleichermaßen das globale IT-Gesamtkonzept, möglichst für alle kaufmännischen und technischen Unternehmensbereiche SAP-Standardsoftware einzusetzen, umgesetzt worden. Über die Release-Umstellung auf RIVA 4.1 hinaus sind bei den SWO für die absehbare Zukunft die Stabilisierung der laufenden Produktion sowie die Integration der Sondervertragskunden vorgesehen.

Rainer Schulz, Stadtwerke Osnabrück, Thomas Pieritz, SPE Unternehmensberatung